Als Kind und später Jugendlicher habe ich mich viel für Geschichte interessiert, neben der Entwicklungsgeschichte der Erde, war es auch die Geschichte der Menschheit. Bücher zur Information haben da eine große Rolle gespielt, andere Medien hatten noch eine untergeordnete Rolle. Ab einem Punkt habe ich mich dann auch mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem Holocaust befasst.

In den Büchern der DDR, die ich zuerst las, wurde der Antifaschismus in den Mittelpunkt der Geschichtsdarstellung gestellt und die Rolle der kommunistischen Widerstandskämpfer herausgestellt. Es war bekannt, dass es Lager gab, in dem die Widerstandskämpfer eingesperrt waren und auch starben. Andere Opfergruppen, wie Juden, Behinderte und Roma, wurden nur am Rande thematisiert. In einem der kleinen Trompeterbücher, die ich in der Garage meiner Großeltern fand, meine Großmutter arbeitet als Bibliothekarin und hatte ausrangierten Bücher mitgenommen, las ich zum Beispiel über den tapferen Kampf der Partisanen gegen die faschistischen Wölfe. Dabei wirkten das Buch märchenhaft und ich habe keinen Bezug von den Soldaten im Buch zu meinem Großvater, von dem ich wusste, dass er Zweiten Weltkrieg in Russland an der Ostfront gekämpft hatte, machen. Von meinen Großeltern wurde generell nicht viel aus der Zeit erzählt, nur dass sie fliehen mussten und die Nachkriegszeit eine entbehrungsreiche Zeit gewesen war und der Großvater lange in Gefangenschaft war, aus der er als Kommunist wiederkam.
Nach dem Mauerfall gab es dann Zugang zu anderen Büchern. Hier war der Fokus eher auf den Zweiten Weltkrieg und dieser wurde als Reihe militärischer Abenteuer erzählt (z.B. Rommel der Wüstenfuchs). Nach einer langen Zeit des Schweigens, wurde aber auch aktiv an die Verbrechen des Nationalsozialismus und den Holocaust erinnert und es wurde zu den Themen geforscht. Man wollte verstehen, wie solche Verbrechen möglich werde konnten und hoffte, dass die Erinnerung die Wiederholung solche Entwicklungen zukünftig unmöglich machen würden.
Aber wie erging es denen wirklich, die damals den Nationalsozialismus erlebt hatte, als Opfer, oder als Täter? Und wie war es in einer Zeit gelebt zu haben, die so viele extreme Veränderungen und Erfahrungen mit sich brachte, die die Menschen tief geprägt haben müssen? Um das besser verstehen zu können, habe ich die beiden Bücher „Ist das ein Mensch“ von Primo Levi und „Der Tote im Bunker“ von Martin Pollack, beide im dtv Verlag erschienen, gelesen und möchte die in zwei Beiträgen vorstellen.
