Léo Malet: Schwarze Trilogie

Léo Malet Schwarze Trilogie

Léo Malets Werke wurden schon oft wiederentdeckt. Jetzt habe ich die Léo Malets Schwarze Trilogie aus der Edition Nautilus gelesen. Sie sind von verschiedenen Übersetzern aus dem Französischen übertragen worden und mit kundigen Nachworten von Tobias Gohlis versehen.

In der Autobiographie Malets „Stoff für viele Leben“ erfährt man, dass Léo Malet als Leon Malet in Montpellier geboren und aufgewachsen ist. Malet machte viele und breite Erfahrungen im Leben, vieles dafür schon in jungen Jahren; Erfahrungen, die er später in der schwarzen Trilogie verarbeiten sollte. Er verlor bereits als Kind beide Eltern und wurde von einem Onkel aufgezogen. Er beginnt früh zu lesen und in seinem Lesehunger verschlingt er Comics, Romane, Krimis und Zeitungen und Zeitschriften. Malet macht erste sexuelle Erfahrungen im Bordell und findet dort vorübergehend eine Geliebte. Er schließt sich den Anarchisten an, die ihn Léo nennen, den Namen den er bis zum Lebensende behalten sollte.

Er geht nach Paris, beginnt dort Gedichte und Chansons zu schreiben, die er auch vorträgt. Zudem hat er aber auch kurze Gelegenheitsjobs. Finanzielle Unsicherheit wird ihn auch fast sein ganzes Leben begleiten. Wenn er gar kein Geld hat, schläft er draußen oder er geht kurzzeitig zurück nach Montpellier, um sich zu erholen. Einmal wird er als Vagabund verhaften und kommt ins Jugendgefängnis, was ihn nachhaltig beeindruckt. In Paris trifft er auch, zufällig bei einem Streit, seine Freundin und sie ziehen zusammen. Zudem wendet er sich dem Surrealismus zu und verkehrt mit seinen Vertretern.  Während des Krieges und der Besatzung beginnt er Kriminal- und Detektivromane zu schreiben, um Geld zu verdienen. Seine Detektivromane mit Nestor Burma sind kommerziell erfolgreich, werden verfilmt, machen Malet berühmt, und bescheren ihm ein gutes Einkommen.

Und dann schreibt Léo Malet die Schwarze Trilogie. Er schreibt in der Autobiographie: „Ich hatte keine besonderen Ambitionen, als ich diese Romane schrieb, ich wollte nur Gefühle oder Gedanken ausdrücken, die mich schon lange beschäftigten“. Malet hat die drei Bände hintereinandergeschrieben. Den ersten Band „Das Leben ist zum Kotzen“ schrieb er 1947, den zweiten Band „Die Sonne schein nicht für uns“ 1948 und den dritten Band „Angst im Bauch“ 1949. Die ersten beiden Bände erschienen kurz nach dem Schreiben. Der dritte Band konnte wegen finanzieller Schwierigkeiten des Verlages nicht erscheinen und lag 22 Jahre in der Schublade, bevor er gedruckt wurde. Die Trilogie begründete die moderne schwarze französische Kriminalliteratur.

Léo Malet Schwarze Trilogie

Im Gegensatz zu den Detektivgeschichten Burmas geht es in der Schwarzen Trilogie um die Verbrecher selbst. Malet kreiert Figuren, die geplant oder ungeplant Verbrechen begehen und sich dann immer tiefer in ihre Geschichten verstricken, dabei belgeitet von Medien und der Öffentlichkeit. Die Figuren haben immer etwas Eigenwilliges, Rebellisches und Selbstzerstörerisches, als sehnten sie durch ihre Verbrechen unbewusst den eigenen Tod herbei. Und letztlich werden sie alle am Ende der Romane gerichtet oder erwarten die Todessstrafe.

Die Figuren agieren immer etwas wie in einem Traum. Aber Malet enthüllt immer das Illusorische und Schädliche ihrer Vorstellungen, lange vor René Girards Theorie des mimetischen Begehrens, und bricht damit das Surrealistische des Geschehens. Und es ist diese psychologische Qualität der Romane, die es, neben der Sprache, so lesenswert macht, dass er die Ängste, Unsicherheiten, Gemeinheiten, Lebenslügen und sexuellen Begierden der Figuren sichtbar macht. In den Titeln, die immer auch Provokationen sind, verpackt Malet seine Weltsicht. Jeder Band hat ein eigenes Motiv, dysfunktionale Sexualität, Chancenlosigkeit, und Angst.

Wie Malet selbst schreibt, würde er die Schwarze Trilogie nicht noch einmal so schreiben, und man kann das verstehen, weil manchmal das Konstruierte durchscheint. Aber er schafft es mit seiner Sprache Atmosphäre zu schaffen und interessante Figuren zu kreieren. Und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er im Laufe der Zeit immer wieder neue Leser gefunden hat. Ich hoffe, dass Malet, der die Motive hinter den Handlungen seiner Figuren meisterlich sichtbar macht, auch in unserer Zeit Leser findet. 

Im Nachfolgenden werde ich die drei Bände der schwarzen Trilogie einzeln besprechen.

Léo Malet: Stoff für viele Leben. Autobiographie. Aus dem Französischen von Andrea Jossen, Edition Nautilus, 247 Seiten

Photo by Craig Whitehead on Unsplash

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