
„Ich fühlte mich wie ein in die Pfanne gehauenes Ei.“
Im Teil 3 der schwarzen Trilogie von Léo Malet „Angst im Bauch“, übersetzt aus dem Französischen von Andrea Jossen und erschienen in der Edition Nautilus, lernt der kleine Trickbetrüger Paul Blondel Jeanne kennen. Diese wird seine Freundin und durch sie wird Paul Mitglied einer Bande. Die Bande verübt Überfälle mit der „saften Methode“, d.h. ohne Blutvergießen. Als der von seiner Geliebten betrogen wird, kränkt Paul das sehr. Er beschließt, eine Waffe zu besorgen und sich an dem Liebhaber seiner Freundin zu rächen, was er aber nicht tut. Bei einem Überfall tötet er mit dieser Waffe einen Kassierer. Die Bande verstößt Paul und seine Flucht beginnt, auf der ihm fast niemand hilft. Seine Flucht wird von Zeitungs- und Radioberichten begleitet, wobei ihm auch Verbrechen zugeschrieben werden. Es hilft ihm dann eine alte Bekannte, die er dann aber tötet, bevor seine Flucht im Gefängnis endet.
„Friede, echter Friede, den ich schon so lange gesucht hatte, war hier, in diesen engen und stinkenden Raum. Er war hier, weil nun alles vorüber war, weil ich nicht mehr kämpfen musste und nichts mehr zu befürchten hatte, keine Angst mehr zu haben brauchte.“

Das Hauptmotiv dieses Bandes ist die Angst. Das Buch beginnt mit einem Albtraum Pauls, der sich beim Überfall mit der Wirklichkeit überschneidet, und endet mit dem Albtraum, nachdem er sich gestellt hat. Durch keine seiner Handlungen wird Paul von seinem wiederkehrenden Albtraum erlöst. Woher Pauls Angst kommt, wird nicht aufgeklärt. Seine Grundangst wird durch seine Flucht verstärkt, so dass er kaum noch schlafen kann und er sich verzweifelt der Polizei stellt.
Die Handlung wird immer wieder durch Begegnungen mit Bekannten aus Pauls Vergangenheit, oft ehemaligen Geliebten, vorangetrieben, was in der Häufung nicht plausibel ist, weil die Figuren nicht alle aus einem Milieu oder Bekanntenkreis stammen und es einfach unwahrscheinlich ist, dass er alle wiedertreffen kann. Es gibt immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Aber vielleicht trägt dieses Stilmittel dazu bei, dass diese Geschichte so beklemmend ist und die Angst Pauls so nachvollziehbar macht.
Léo Malet: Angst im Bauch. Aus dem Französischen von Andrea Jossen und mit einem Nachwort von Tobias Gohlis, Edition Nautilus, 167 Seiten
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