John Fante: Voll im Leben

„Full of life“

Von John Fante lese ich mich nach und nach durch sein Werk, das ich sehr schätze. Der Maro Verlag hat sich um John Fante verdient gemacht, da er sein Werk auf Deutsch herausbringt. Jetzt habe ich seinen Roman „Voll im Leben“ in der Übersetzung von Doris Engelke gelesen.

Die Hauptfigur, der Drehbuchautor John Fante lebt mit seiner Frau Joyce in ihrem neuen Haus in Los Angeles. Sie erwarten das erste Kind. Eines Morgens kracht seine Frau durch den Termitenzerfressenen Fußboden in der Küche. Da die Kosten für die Reparatur des Bodens hoch sind, beschließen sie den Vater Nick Fante zu fragen. Daraus resultiert eine amüsantes Geschehen, und Fante schildert, was passiert, wenn der eigene Vater wieder einzieht und die eigene Frau das erste Kind erwartet. Was dabei zu Bruch geht und was letztlich repariert wird, wird nicht verraten und sollte man am besten selbst lesen.

In dem Roman geht es um Beziehungen und damit ist das Buch „full of life“, wie der Originaltitel lautet. Zuerst ist das die Beziehungen zu den Eltern. Die Eltern sind italienische Auswanderer, die in Armut aufgewachsen sind und sich in den USA eine bescheidene Existenz aufgebaut haben. Sie halten an ihrer Religion fest, obwohl sie selbst nicht aktiv sind und auch sonst recht abergläubig. Sie verkraften es schwer, dass der Sohn weit weg von zu Hause gezogen ist. Die Mutter kann ihre Emotionen („Mama zu begrüßen war immer der schwierigste Teil am Heimkommen. Meine Mama war der Ohnmachtstyp, besonders, wenn wir länger als drei Monate weg waren.“). Der Vater ist eigensinnig, trinkt zu viel, und hält sich in seinem Sohn gegenüber nicht zurück. Er hätte gerne einen Enkelsohn und gibt Ernährungstips (Eier, Austern). In dem Haus des Sohnes kommandiert ihn der Vater herum und behandelt ihn wie einen Handlanger („Nach sechzehn Jahren stand dieser Mann in meinem Haus und sagte „Werkzeugtasche“.). Der Vater ist aber auch weich, liebevoll und hat gleich einen guten Draht zu seiner Frau Joyce. Überhaupt scheint der Vater es immer zu schaffen, die Leute für sich einzunehmen. Damit sind sie dann automatisch gegen John eingenommen, der oft eine andere Haltung einnimmt.   

John Fante zeigt auch, wie uns die Eltern prägen. So ist es John, der sich wie sein Vater Nick, einen Sohn wünscht. Dann gibt es den Umgang mit Geld. Der Vater ist wegen seiner Herkunft Sparsam, sein Sohn, der durch die Schriftstellerei zu Geld gekommen ist, zeigt eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit Geld. Es gibt eine Szene, wo John von Jemanden, der selbstverständlich ein Taxi vom Bahnhof nimmt, in Gegenwart seines Vaters sich seiner Sparsamkeit bewusstwird, die er gelernt hat. Sie steigen unterwegs aus dem Taxi, um Geld zu sparen, obwohl sie noch lange laufen müssen und viel Gepäck haben. Der Sohn entspricht wieder der Erwartung seines Vaters.

Es geht auch um die Beziehung zur Frau. Joyce wird in der Schwangerschaft religiös, ausgelöst durch Lektüre. Sie fängt an zu beten etc. und konvertiert zum Katholizismus. John nimmt es mit Unverständnis, aber ohne großen Krach hin. John möchte auch nicht, dass Joyce körperlich arbeitet, sie macht es aber trotzdem. Joyce ist auch immer auf der Seite des Vaters. Die Beziehung zueinander bleibt aber respekt- und liebevoll

John Fante erzählt die Geschichte als Ich-Erzähler und so kann man in den Situationen immer gleich an seinen Gedanken teilnehmen und die Konflikte nachvollziehen. Der Erzählstil wirkt modern. Er ist überschwänglich, aber auch unbeschwert, emotional und liebevoll („Mit war schwindelig vor Liebe, und ich genoss den Vorgeschmack auf die Freuden, die mich erwarteten.“), wo Charles Bukowski düster, sperrig und mit Alkohol reagieren würde. Es ist oft komisch, zum Beispiel die Szene, wo der Vater mit zur Geburt ins Krankenhaus fährt, auch der Priester ist dabei, nur der werdende Vater kommt schwer zu seiner Frau durch. Oder, wo sein Vater über die nicht geborenen Enkelkinder trauert. Aber er macht sich als Erzähler nicht über sie lustig oder kritisiert sie. Und darin, finde ich, liegt eine große Kunst. Und so ist auch dieses Buch von John Fante eine große Leseempfehlung.

John Fante: Voll im Leben. Aus dem Amerikanischen von Doris Engelke. Maro Verlag. 158 Seiten

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