Beate Absalon: Not giving a fuck

Hier möchte ich über das Buch „Not giving a fuck“ von Beate Absalon schreiben. Es ist 2024 im Wiener Verlag Kremayr & Scheriau erschienen. Der Essay trägt den Untertitel „Von lustlosem Sex & sexloser Lust: Gesellschaftlichen Zwang überwinden & lebendige Intimität finden“ und zeigt das Spektrum der Themen auf, in denen es in diesem Buch geht. Beate Absalon benutz dabei kulturhistorische Einordnungen, forscht in wissenschaftlichen Texten und in sozialen Medien und Blogs, und bringt auch ihre Erfahrungen als Teilnehmerin und Leiterin von Workshops ein.

Zu Beginn des Buches forscht Absalon den Motiven nach, warum wir Sex haben und dass häufig nicht-sexuelle Bedürfnisse das Motiv für Sex sind. „Verwechseln wir unser Bedürfnis nach Sex mit unserem Bedürfnis nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Bestätigung, Liebe, Sicherheit, Zerstreuung, Macht und noch andere Dinge.“ Weiter beschreibt sie, dass Sex überhaupt einen großen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat. Einerseits gibt es Beschränkungen (zum Beispiel religiöse Enthaltsamkeitsgebote), aber anderseits auch fast eine Pflicht sich sexuell zu verwirklichen und das auszustellen. Wer keinen Sex hat, wird schnell abgewertet. Auch die sexpositive Szene, die mehr Freiheitsgrade und Bewusstheit in den Umgang mit Sex gebracht hat, bleibt nicht frei von Zwängen, da die Asexualtität nicht eingeplant ist. Damit ist Sex heutzutage eher performance-getriebener Zwang und Unfreiheit als Erfüllung und Experimentierfeld. Abstinenz, die gesellschaftlich vermeintlich zunimmt, interpretiert sie so, dass Leute dieses Spiel nicht mehr mitspielen wollen.

Absalon plädiert stattdessen für eine alternative, fruchtbare Verbindung zu Sex. Sie schaut dazu in Bereiche, in denen Sex nicht (mehr) möglich ist, so zum Beispiel in Asexualtität und Funktionsstörung („Das Leiden an Sex werden wir nicht los, indem wir Sex meistern, sondern indem wir lernen an Sex zu scheitern.“). Da wo man am konventionellen Sex scheitert oder scheitern darf, da wo Entspannung ist, dort kann Spielraum entstehen, eine individuelle, eigenständige und erfinderische Lust zu finden, „aus den gerade wirklich anwesenden Impulsen, Wünschen und Bedürfnissen gemeinsam zu basteln, was vielleicht noch nie zuvor jemand „Sex“ genannt hat. Nicht um möglichst kreativ zu kopulieren, sondern um sich auf das einzulassen, was gerade möglich und stimmig ist.“ Und in der Konsequenz bedeutet es auch, sich dafür zu entscheiden, keinen Sex haben zu haben.

Der Essay von Beate Absalon ist im besten Sinne des Wortes skeptisch, in dem es die gängigen Vorstellungen und Ratschläge zu Sex hinterfragt und somit erlaubt, wirklich frei über die Rolle und Bedeutung von Sex nachzudenken.      

Beate Absalon: «Not Giving a Fuck. Von lustlosem Sex & sexloser Lust: Gesellschaftlichen Zwang überwinden & lebendige Intimität finden». Kremayr & Scheriau, 2024, 191 Seiten.

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