Ich betreibe meinen Buchblog jetzt seit 2 Jahren und ich möchte den wieder die Gelegenheit nutzen, zu dem Anlass über ein vergangenes Jahr meiner Blogarbeit nachzudenken.
Ziel des Blogs ist es, die Schriftstellerin und Schriftsteller zu suchen, die nicht ihr Bild auf den Umschlag sehen wollen, sondern Schreiben als Medium begreifen, das menschliche Leben zu erforschen und zu begreifen. Kunst die nicht anders kann sozusagen. Und da bin ich in diesem Blogjahr sowohl bei großen als auch unabhängigen Verlagen, bei Neuerscheinungen und in der Backlist und manchmal im Antiquariat fündig geworden.

Insgesamt habe ich 20 Beiträge veröffentlicht. Darunter waren Texte über Bücher von Lieblingsautoren wie John Fante, Magda Szabó, Emmanuel Bove und Dany Laferrière. Neben der Belletristik habe ich auch Essays von Beate Absolom und Nina Kunz vorgestellt. Es waren neben der Backlist auch Neuerscheinungen dabei, so zum Beispiel von Beatriz Serrano „Geht so“ und „Tausend mal so viel Geld wie jetzt“ von Juan Guse.Neuerscheinungen werde ich in Zukunft vermehrt vorstellen. Diese lese mit großer Neugierde, wähle aber nur wenige für den Blog aus. Meist lese ich für die Breite und um aktuelle Strömungen zu verstehen, oder auch nur zum Vergnügen. Ein paar von denen ich denke, dass sie mehr Aufmerksamkeit verdienen, wähle ich für den Blog aus.
Vorgenommen hatte ich mir im letzten Jahr, Beiträge zu schreiben, in denen ich mehr als nur ein Werk von einer Autorin oder einem Autor vorstelle. So war ich in einem Leseprojekt in den rätselhaften Welten von Gerald Murnane unterwegs, oder habe derHeimatlosigkeit in den Werken vonAglaja Veteranyi nachgespürt, oder New York in den Reportagen von Joseph Mitchell erkundet. Von Magda Szabó habe ich in einem ersten Beitrag die beiden lieferbaren Romane „Hinter der Tür“ und „Die Elemente“ vorgestellt, die ich entdeckt hatte, und dann in einem weiteren Beitrag noch ihren Roman „Katharinenstrasse“, der nur antiquarisch zu bekommen ist, weil mich der auch begeistert hat. Im nächsten Jahr möchte ich mich noch tiefer in ihr Werk einlesen.
Vorgenommen hatte ich mir auch, Bücher vorzustellen, die thematisch miteinander verknüpft sind. Das habe ich zum Beispiel mit dem Beitrag „Über die Seefahrt“ getan mit den Büchern „Über die See“ von Mariette Navarro, in dem es um die mysteriösen Erlebnisse einer Kapitänin und der Besetzung während einer Fahrt mit dem Schiff durch die Tropen und „Gentlemen über Bord“ von Herbert Clyde Lewis, in dem das Schicksal eines über Bord gefallenen Passagiers behandelt wird. Beide Bücher habe ich noch dazu in den Ferien am Mittelmeer gelesen.
Auch Bücher zum Thema Postbote habe ich vorgestellt. In dem Klassiker „Der Mann mit der Ledertasche“ von Charles Bukowski und „Gleich, später, morgen“ von Thomas Pfenninger ist jeweils ein Postbote die Hauptfigur. Aber wie die beiden Figuren ihre Arbeit als Postboten ausfüllen und wie sich das Postleben auf ihr eigenes Leben auswirkt, ist in beiden Büchern höchst unterschiedlich.
Ein wichtiger Beitrag war für mich vom „Erinnern und Verstehen“ in dem es um die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust geht. In dem Beitrag habe ich das Buch „Ist das ein Mensch“ von Primo Levi vorgestellt, in dem als er als Überlebender des Konzentrationslagers Ausschwitz seine Erlebnisse als Gefangener schildert. Levis Bericht konzentriert sich darauf zu zeigen, dass die Konzentrationslager im Nationalsozialismus so konzipiert waren, dass sie ihre Opfer entmenschlichten. Dem habe ich das Buch „Der Tote im Bunker“ von Martin Pollack entgegen gestellt. In dem Buch beschäftigt sich Pollack mit der Geschichte seines Vaters, eines SS-Sturmbahnführer, und Leiter der Linzer Gestapo, der als Täter in den Holocaust verstrickt war. Es geht in der Recherche auch um den Umgang der Familie von Pollack mit dem Wissen über die Taten des Vaters.
Durch die Arbeit an diesen Blogbeiträgen wurde das Lesen ein anderes, ein kreativeres. Manchmal war die thematische Verknüpfung naheliegend wie bei Seefahrt, dann ging es um die Unterschiede in der Umsetzung des Themas oder es ging darum, verschiedene Aspekte in den Werken einer Schriftstellerin oder eines Schriftstellers herauszuarbeiten oder Verbindungen zu anderen Autorinnen und Autoren zu finden. Aber letztlich blieb immer der einzelne Text im Vordergrund.
In ein paar Beiträgen habe ich neue Sachen ausprobiert. So habe ich zum Beispiel die Texte Mascha Kalekos gelesen, nachdem ich das Bühnenprogramm von Etta Scollo mit den Gedichten gehört hatte. Beides habe ich in einem Beitrag zusammengefasst. Und auch wenn nicht jeder von Euch die Veranstaltung selbst erleben kann, ist es ein guter Ausgangspunkt, um Bücher zu erkunden. In einem anderen Beitrag habe ein Verlagsporträt über den kleinen Verlag zero sharp geschrieben, eine Arbeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Aber hier systematisch weiterzumachen, wäre Arbeit für einen eigenen Blog.
Auch wenn in den Beiträgen Übersetzungen aus vielen Sprachen dabei waren, habe ich mir vorgenommen, im dritten Blogjahr vermehrt Bücher aus dem nicht-europäischen Sprach- und Kulturkreisen vorzunehmen. Das wird spannend und herausfordernd, da ich mich dort nicht gut auskenne. Also heißt es auch weiterhin Lesen, Lesen und Lesen und darüber zu schreiben, worauf ich mich sehr freue.
Begleitet mich weiter auf der Reise. Und lasst mir gerne ein Kommentar dar, oder schreibt mir auf Instagram. Ich freue mich immer über euer Feedback.
Bild erstellt mit Microsoft Copilot
